„Vertrauen ist der Klebstoff des Lebens. Es ist der wichtigste Bestandteil effektiver Kommunikation und das grundlegende Prinzip aller Beziehungen.“ — Stephen Covey, The Seven Habits of Highly Effective People
„Man weiß nicht, warum man sich zueinander hingezogen fühlt; man fühlt nur, dass es so ist.“ — Goethe, Die Wahlverwandtschaften
Mit dem Älterwerden verändern sich Freundschaften. Verbindungen aus Schulzeit, Studium oder der Familienphase lösen sich, wenn Interessen und Lebenswege sich wandeln. Das ist kein Verlust allein – es ist auch eine Einladung zum Neubeginn.
Winterurlaub in der Wärme – gemeinsame Erlebnisse, die verbinden
Wenn es im Winter kalt und grau ist, wollen wir manchmal in die Wärme. Reisen bieten auch unzählige Gelegenheiten, voneinander zu lernen und Erfahrungen zu teilen – besonders bei gemeinsamen Aktivitäten. Ob zu zweit oder in der Gruppe: Gemeinsames Erleben schafft Nähe, ermöglicht tiefe Gespräche und hinterlässt Erinnerungen, die tragen. In Gemeinschaft entsteht Sicherheit, neue Orte lassen sich mutiger und entspannter entdecken. Freundschaften schenken Zugehörigkeit und machen selbst Fremdes schnell vertraut.
Auf der spanischen Insel La Gomera habe ich Menschen kennengelernt, die seit zehn oder sogar zwanzig Jahren immer wieder im Winter zurückkehren. Aus Bekannten wurden Freunde, aus Freunden eine Art Familie. Fernab des Alltags, ohne Termindruck, entstehen Begegnungen, die uns für Nähe öffnen. Freundschaft bedeutet Vertrauen, Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, einander Raum zu geben.
Gemeinsam Erlebtes wird zu Erinnerung
Aus Neugier und Abenteuerlust wachsen Freundschaften, Wahlfamilien, getragen von Erfahrung statt Herkunft. Begleiter, die Präsenz und manchmal Trost schenken. Beim Trekking etwa entsteht Verbundenheit im gemeinsamen Tun. Wer sich zeigt, lädt den anderen ein, es ebenfalls zu tun. Herausforderungen werden zu geteilten Geschichten. Nicht der Gipfel zählt am meisten, sondern das Wissen: Wir haben das zusammen geschafft.
Gemeinsam essen und lachen, zusammen entdecken, die Gruppenfotos der Erlebnisse: Durch andere Menschen werden Erfahrungen greifbar. Im Austausch ordnen wir Erlebtes ein, machen es zu Erinnerungen. Wir ordnen sie ein, verleihen ihnen Bedeutung, eine zeitliche Struktur und einen festen Platz in unserer Lebensgeschichte – und erkennen dabei oft erst, wer wir selbst sind. Geteilte Momente sind es, die bleiben. Diese Erinnerungen geben Halt, Zugehörigkeit und das Gefühl, Teil einer gemeinsamen Geschichte zu sein. Rituale, Fotos und kleine Traditionen schaffen Kontinuität.
Erinnerung bewahrt das Erlebte, ohne es festzuhalten.
Gemeinsam besuchte Orte erneut zu erleben, verleiht Freundschaften zusätzliche Tiefe. Eine vertraute Wanderung, ein Lieblingsrestaurant, ein stiller Tag am Meer – alte Erinnerungen werden neu belebt und durch neue ergänzt. So wachsen Vertrauen und gegenseitige Unterstützung, die Grundlage jeder echten Beziehung.
Die Orte, Menschen, Geschichten und Momente schaffen einen lebendigen Boden, von dem aus wir weitergehen. Erinnerungen ziehen vorbei wie Wolken – mal schwer, mal licht – und wir spüren die Vergänglichkeit. Was uns begegnet, ist unser Leben.
Nachspüren
Wann hast du dich geöffnet für das, was unterwegs entsteht, und für Verbindungen, die über den Moment hinausreichen?
Hast du erlebt, wie aus einem gemeinsamen Augenblick Nähe wird und aus Nähe Verbundenheit?
Podcast-Meditation Ruhen im „Jetzt“
Gerald Blomeyer, La Gomera, Januar 2026