„Schmerz ist unvermeidlich, Leiden freiwillig.“ – Buddha

„Im gegenwärtigen Moment verweilend, weiß ich, dass dies der einzige Moment ist.“ – Thich Nhat Hanh, Wahren Frieden schaffen


Wer anhaftet, fürchtet den Verlust

Liebe und Angst sind die mächtigsten Emotionen, die wir erleben können. Alles, was wir denken oder sprechen, alle Handlungen entspringen der Liebe oder der Angst. Sich zu fürchten, ist gesund. Es warnt uns, wenn wir in Gefahr sind. Doch unser Ego lebt von der Angst. Viele fürchten sich davor, zu kurz zu kommen, das zu verlieren, was wir haben, oder das zu bekommen, was wir nicht wollen. Der fruchtbare Boden dieses Gefühls ist der Glaube, dass es an Liebe mangelt. Wir füttern ihn, indem wir bitter, neidisch und selbstsüchtig sind und unsere Angst vor künftigen Schmerzen kultivieren. Doch die Angst verliert ihre Kraft, wenn wir sie akzeptieren und fragen, was wir von ihr lernen können.

Vertrauen durch Liebe

Wer sich auf die Gegenwart konzentriert, vermeidet unnötige Ängste. Denn alles ist flüchtig, alles entsteht und vergeht, auch unser Leben. Wer etwas festhalten will, fürchtet es zu verlieren. Angst ist nicht trivial, denn sie macht uns unfrei und unterdrückt unsere Liebe. Das Gedankenkarrussel rumpelt einfach weiter, als ob wir die Dinge in Bewegung halten müssten. Wer Materielles besitzen oder geliebt werden will, kann den Augenblick nicht so annehmen, wie er ist. Wenn wir hingegen akzeptieren, dass alles vorübergeht, hilft uns das, mit der Angst umzugehen. Wer frei sein will, haftet nicht an.

Wir sind aufgerufen, mit Zuversicht und Solidarität zu handeln, mit der Liebe und dem Mitgefühl, die aus Dankbarkeit erwachsen. Dann können wir den sich abzeichnenden Wandel annehmen. Wir können nicht gleichzeitig fürchten und lieben, nicht gleichzeitig urteilen und dankbar sein. Wer täglich dankbar ist, hilft die Kräfte der Verwirrung und Angst in der Welt aufzulösen. Je mehr wir uns mit anderen verbinden, umso weniger Angst und Selbstverurteilung haben wir. Mitgefühl heilt Angst und schafft Vertrauen. Wie der vietnamesische Zenmeister Thich Nath Hanh sagt: „Frieden zu üben und den Frieden in uns lebendig zu erhalten, bedeutet, aktiv Verständnis, Liebe und Mitgefühl zu entwickeln, selbst angesichts von falschen Sichtweisen und Konflikten.“ Das ist mühsam.

Der Angst begegnen

Wir können wählen, ob wir uns liebevoll und weit oder ängstlich und eng fühlen wollen. Anstatt uns als Opfer zu betrachten, übernehmen wir Verantwortung. Indem wir erkennen, dass nur wir uns selbst wütend machen können, ermächtigen, wir uns mit der Wut umzugehen. Das Gleiche gilt für die Angst. Die Zukunft hat noch nicht stattgefunden, die Vergangenheit ist bereits geschehen. Das Einzige, was wir haben, ist das, was genau hier und jetzt ist. Doch wir leiden, weil wir aus Gewohnheit, ein festes Selbst konstruiert haben. Dieses Selbst ist aber tatsächlich eine höchst flexible Sache, denn wir sind mit allen und allem im Universum verwoben. Furchtlos zu sein, bedeutet, das anzunehmen, was da ist. Was jetzt da ist. Das bedeutet weder, etwas passiv geschehen zu lassen noch etwas zu erdulden, was wir nicht wollen. In der Meditation verlangsamen wir den Gedankenfluss und kommen dort an, wo wir wirklich sind. Wenn Bilder oder Gedanken auftauchen, brauchen sie unsere Aufmerksamkeit. Es gilt sie furchtlos zu fühlen, um sie dann loszulassen und in den Augenblick zurückzukehren. Am Montag werden wir in der Meditation üben, der Angst zu begegnen.

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Gerald Blomeyer, Berlin am 7. März 2022

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