Wer eifersüchtig ist, hat kein Vertrauen

Keiner will einen eifersüchtigen Partner haben. Niemand genießt es eifersüchtig zu sein. Unser Stolz ist gekränkt, wenn wir uns nicht geliebt und unzulänglich fühlen. Wenn etwas schmerzt, wehren wir uns, stoßen den anderen weg, verletzen oder setzen ihn herab. Wir verdächtigen, säen Zweifel und Misstrauen. Unser Partner wird zu einem „Objekt“, das wir begehren und besitzen wollen. Dieser Besitzanspruch entkleidet den anderen seines Menschseins mit eigenem Willen, Gefühlen und Ambitionen. Es gipfelt im egoistischen Wunsch: Nur ich darf dich haben, aber du musst mich glücklich machen. 

Eifersucht, Angst und gekränkter Stolz entstehen aus mangelndem Selbstwert und Vertrauen. Das Gefühl, nicht gut genug zu sein, trennt uns  von anderen, von uns selbst und unserer grundlegenden Güte und Vitalität. Dann erscheint es uns einfacher, die Ursache der Eifersucht draußen zu suchen und einen „Schuldigen“ zu identifizieren. Wenn wir jedoch den Partner anklagen, setzt dies eine Abwärtsspirale aus Schuldzuweisungen und verletzten Gefühlen in Gang. Eifersucht wird zum Beziehungskiller.

Liebe verbindet, Eifersucht trennt

Vertrauen ist die Basis jeder erfolgreichen Beziehung. Es beginnt, wenn wir uns wertschätzen wie wir sind. Liebe ist das Gegenteil von Egoismus. Wer sich selber und andere wertschätzt, kümmert sich aufrichtig aus Liebe und nicht aus Angst. Eine Beziehung braucht die Weite der liebevollen Achtsamkeit, nicht die Enge besitzergreifender Eifersucht. Wer dem Partner vertraut, freut sich, wenn auch andere Menschen sie/ihn glücklich machen.

Auf den ersten Blick steckt in Eifersucht nur ein großes Bündel von „ich…mir…mein.“ Doch wenn wir dieses große “Ich, Ich, Ich” loslassen können, werden wir offener dafür, die Schönheit des anderen zu erkennen. Und uns wird klar, dass unser Gefühl von Unzulänglichkeit nur eine vorübergehende Phase war. Wir hören auf, zu vergleichen und bewerten, den anderen besser und uns selbst mangelhaft zu finden.

Eifersucht in mitfühlende Freude umwandeln

Im Buddhismus gehört Eifersucht zusammen mit Ärger, Gier, Stolz und Unwissenheit in die Kategorie der „fünf Geistesgifte“. Giftig sind sie, weil sie Schmerz und Leiden für uns und andere erzeugen. Das Leiden entsteht, weil wir uns mit einem festen Selbst identifizieren, anstatt alles als einen Prozess zu sehen. Die Herzenswünsche der „Vier Unermesslichen“ gelten als ein kraftvoller Weg, um uns von diesen Leiden zu befreien.

Mögen alle Wesen Glück und die Ursachen des Glücks genießen.
Mögen sie frei sein von Leiden und den Ursachen des Leidens.
Mögen sie nicht vom großen Glück getrennt sein, das frei von Leiden ist.
Mögen sie im großen Gleichmut verweilen, der frei von Leidenschaft, Aggression und Vorurteilen ist.

Der Begriff „alle Wesen“ schließt uns selbst ein. Mit dem Rezitieren entsteht Mitgefühl und „wertschätzende Freude“ für uns und andere. Wenn wir uns über das Glück und den Erfolg anderer freuen, können wir uns selber wertschätzen. Wir hören auf zu denken, wir seien nicht genug. Wir geben unsere Eifersucht auf. Das öffnet unser Herz und stellt das Gefühl von Verbundenheit wieder her.

Gerald Blomeyer, Berlin, März 2021

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