Alles fließt frei in einem ständigen Prozess des Kommens und Gehens.
Mingyur Rinpoche schlägt vor, dass wir Frieden finden, indem wir “…dem Geist einfach erlauben, ruhig zu ruhen, wie er ist. Es ist eine grundlegende Art von Praxis, durch die wir den Geist auf natürliche Weise in einem Zustand entspannten Gewahrseins ruhen lassen, um der Natur des Geistes zu erlauben, sich zu offenbaren.”

The only way to make sense out of change is to plunge into it, move with it, and join the dance.”
― Alan Watts

Weihnachten ist schon wieder vorbei, Silvester steht vor der Tür. In dieser Woche setzen wir unsere Untersuchung fort, dass Glück nur erlebt werden kann, wenn das, was ist, akzeptieren. Leiden entsteht durch Widerstand, indem wir die aktuelle Situation ablehnen. Vergänglichkeit ist unsere zentrale Herausforderung, denn wir haben nichts unter Kontrolle. Veränderungen sind unvermeidlich – innen und außen. Wir leben gern in einer Komfortzone, in der wir uns sicher und geborgen fühlen. Jede Veränderung, die diese stört, ist unbequem. Doch zu leben bedeutet, sich zu verändern. Wir müssen also lernen, Veränderungen zu akzeptieren, oder wir müssen bereit sein, sie zu bekämpfen. Das Leben ist kostbar, aber es ist begrenzt. Wer den Fluss des Lebens und der Natur akzeptiert, kann sich der größten Veränderung stellen: unsere eigenen Sterblichkeit.

Der griechische Philosoph Heraklit sagte schon 500 v. Chr. „panta rhei“, alles fließt. Alles wandelt sich ständig, alles wird zu etwas anderem, als es vorher war. Das Wasser eines Flusses ist niemals dasselbe, das einen Moment zuvor an uns vorbei geflossen ist. Heraklit schlussfolgerte, dass die eigentliche Natur des Lebens die Veränderung ist. Sich diesem natürlichen Wandel zu widersetzen, bedeutet, sich der Natur unseres Daseins zu widersetzen. Wenn wir glücklich mit der Natur leben wollen, müssen wir in Harmonie mit dem Wandel leben. Wir leiden, wenn wir uns dagegen wehren. Wer den Wandel nicht als notwendigen und normalen Teil seines Lebens willkommen heißt, leidet. Er erfährt Probleme, Schmerz und Enttäuschung. Veränderung ist das Wesen des Lebens. Wer den Wandel annimmt, ist bereit, zu wachsen, also sich zu verändern und anzupassen. Fortschritt macht die Vergänglichkeit sichtbar.

Im Buddhismus bleibt man angesichts des Weltenlaufs und der Vergänglichkeit gelassen. Speziell die Vipassana-Meditation gibt uns eine Methode, die ganzheitliche Sicht zu üben. Wenn wir lernen, den ständigen Wandel zu erkennen und anzunehmen, können wir auch mit dem Leben selbst umgehen. Das ist in der heutigen, sich schnell verändernden Zeit besonders relevant. Eine „Welt als Prozess“ erleben wir anders als eine „Welt der festen Dinge“. Wenn wir erkennen, dass sich alles ändert, greift unser Geist nicht länger nach Dingen. Weil er nicht loslassen muss, kann er die Dinge einfach so sein lassen. Er wird friedlich und wir können uns für den Augenblick und die Schönheit der vergänglichen Dinge öffnen.

Wenn wir Musik mit einem ruhigen, konzentrierten Geist hören, greifen wir nicht nach irgendeiner Note oder Melodie. Wir erfahren eine Klangfolge, die in einem offenen Raum fließt. Wenn sich aber ein Teil gut anfühlt, möchten wir, dass es „jetzt“ wiederkommt. Aber indem wir etwas wünschen, verpassen wir die Freude und Schönheit dessen, was gerade da ist. Der Geist kann entweder hören, oder sich etwas wünschen. Erwarten bedeutet, mit den Gedanken in der Zukunft zu sein.

Wenn wir der Musik nur zuhören, ohne zu versuchen sie festzuhalten, können wir ihre Schönheit erleben. Sie entsteht indem wir uns einlassen, ohne uns zu bemühen. Weil das mit dem Vorgang des Hörens harmoniert, geht diese Erfahrung tiefer. Indem wir uns entspannen, öffnen wir uns für den Fluss der Noten. Ohne anzuhaften oder zu wünschen, sind wir präsent, wirklich ganz da und können den Wandel annehmen. Das bereitet mehr Freude, als ständig auf etwas zu warten.

Der englische Philosoph Alan Watts kommentierte:
Life is like music for its own sake. We are living in an eternal now, and when we listen to music we are not listening to the past, we are not listening to the future, we are listening to an expanded present.

 

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